Figurenschule I : Köpfe malen

Nun gut, Ihr habt's nicht anders gewollt. Nachdem wir jetzt von vielen Seiten gefragt worden sind: "Wie macht ihr das?" und nach einer kleinen Aufrüstung auch endlich das entsprechende Fotoequipment zur Verfügung steht, wollen wir Euch mit unseren Weisheiten belagern. Damit erfülle ich auch ein Versprechen, dass ich einigen Leuten gegeben habe, mangels Ausrüstung aber nicht halten konnte (diejenigen, die ich meine, werden es wissen...)

Eine fertige Figur. Am Ende des Kurses seid Ihr auch soweit...

Wir fangen mit dem Albtraum vieler Bastler an: dem Kopf. Erste Frage: Was braucht man? Um unsere Methode umsetzen zu können, benötigt man vier Pinsel: einen 00 oder 000, einen 0, einen 1 sowie einen schmalen Flachpinsel, allesamt aus Marderhaar. Wenn Ihr meinen persönlichen Tipp haben wollt: nehmt Winsor & Newton, No.7 Series für die kleinen Pinsel. Ja, ich höre Euch stöhnen, die Teile sind teuer. Aber sie sind auch das mit Abstand Beste, das ihr kaufen könnt. Ein W&N hält bei guter Pflege genauso lange wie drei andere. Und dann ist er wieder billig ... Ansonsten passt wenigstens auf, dass Ihr eine feine, nicht aufgesplisste Spitze bekommt. Und Marderhaar ist Pflicht !!! Das Revell-Angebot lasst im Laden, die Pinsel sind für unsere Zwecke nicht optimal!

Außerdem braucht Ihr für die Hautpartien eine sandfarbene Acrylgrundierung (ich nehme Vomit Brown von Citadel, Desert Yellow von Tamiya geht auch) und folgende Ölfarben: Schwarz, Weiß, Gebrannte Siena, Lichter Ocker, Umbra natur, Kadmiumrot dunkel. Am Besten wäre Schmincke oder Winsor & Newton, aber ich muss zugeben, dass man mit den günstigen Farben von Lukas (gibt's im OBI) genauso gute Ergebnisse erzielt. Zum Mischen eine Mischpalette. Die könnt Ihr mit Alufolie umwickeln, dann bleibt die Palette selbst sauber. Dazu braucht Ihr eine Dose Feuerzeugbenzin. Tut Euch einen Gefallen und nehmt Zippo ... Haltet das Zeug um Himmels willen von Feuer oder Kerzen fern!!!

Das ist es. Insgesamt an Grundausstattung ca. 60,- EUR. Dann habt Ihr aber auch schon die jeweils besseren Sachen.

Weiterhin braucht Ihr natürlich einen Kopf. Nicht nur Euren eigenen, sondern einen Figurenkopf. Ich weiß, es ist sehr beliebt, an "billigen" Figuren zu üben. Meistens hat man welche aus Bausätzen übrig oder kauft sich welche von Italeri oder Dragon oder was auch immer. Während die Figuren an sich heutzutage meistens ganz in Ordnung sind, sind es die Gesichter in aller Regel nicht! Bis auf die allerletzten Dragon-Figuren (2nd Generation oder Premium Edition) ist von den Köppen her alles Mist. Es gibt Leute, die machen auch aus einem Tamiya-Kopf ein Kunstwerk. Ich kann das nicht und ich habe auch noch niemanden getroffen, der das ohne jahrelange Übung und vor allem unglaublichen Zeitaufwand fertig bringt.

Beherzigt einen wirklich ernst gemeinten Rat: Investiert lieber noch ein paar Euros und legt Euch ein paar Kopf-Sets von Hornet zu. Die kosten zwar 10-12 EUR pro fünf Köpfe, aber sie besitzen im Maßstab 1:35 die beste Modellierung. Die feinen Gesichtszüge erleichtern Euch die Akzentuierung und zeigen Euch praktisch von selbst, wo welche Farbe hin muss. Nach ein wenig Übung ist das Ganze nur noch "Malen nach Zahlen".

Zwei Köpfe von Hornet:

US Heads wearing M1 helmets

Ok, genug der Theorie. Hier seht Ihr zwei der Hornet-Köpfe. Der linke ist komplett ohne Grundierung, der andere hat auf den Hautpartien eine sandfarbene Acryl-Grundierung. Der Helm erhält später eine eigene Olive Drab- Grundierung.

Wir beginnen mit Gebrannter Siena. Auf die Palette kommt ein Klecks Ölfarbe und in einer der Vertiefungen ein Schuss Zippo- Benzin. Die Ölfarbe wird jetzt LEICHT mit dem Benzin verdünnt, d.h. wir nehmen ein bisschen Farbe und einen Hauch Benzin, nur soviel, dass die Farbe etwas streichfähiger wird.

Mit dem 1-er Pinsel wird das ganze Gesicht jetzt deckend mit dieser Mischung eingepinselt. Das sieht dann so aus wie links. Ja, wirkt verboten, hat aber seine Richtigkeit.

 

Nach diesem schweren Schritt machen wir erst mal Pause. Nein, wirklich, stellt den Kopf für 10 Minuten auf Seite...

Dann nehmen wir den Flachpinsel und streichen die Farbe wieder ab. Und zwar ausgehend von der Mittellinie des Gesichts, die durch die Nase gebildet wird, schräg nach rechts bzw. links unten, also nach "fünf Uhr" bzw. "sieben Uhr".

Dabei wird der Flachpinsel immer wieder an einem sauberen Tuch oder Tempo abgewischt, um die abgetragene Farbe zu entfernen. Benutzt auf keinen Fall Verdünner oder Benzin auf dem Flachpinsel beim Abwischen!!!

Diese Maßnahme legt die Grundierung wieder frei, die unter der Ölfarbe durchschimmert. In den Vertiefungen bleibt die Farbe liegen, so dass wir von ganz alleine Halbschatten und Tiefschatten im Gesicht erzeugt haben. Nach dem Abpinseln sollte der Kopf in etwa so aussehen, wie auf der nächsten Abbildung.

Als nächstes nehmen wir Lichter Ocker. Mit den Detailpinseln nehmen wir jeweils eine Pinselspitze Farbe und setzen auf die aufzuhellenden Bereiche wie Nase, Wangenknochen, Stirn, Kinn usw. jeweils einen (sehr) kleinen Punkt Ölfarbe, unverdünnt. Diese kann man jetzt vorsichtig über die gesamte aufzuhellende Fläche verreiben.

Das ist nicht schwierig, man muss nur aufpassen, dass man nicht die tiefen Schatten überpinselt. Auf diese Weise haben wir ein erstes Highlight erzeugt. Nach diesem Schritt sieht das Gesicht in etwa so wie rechts aus.

Jetzt mixen wir in ein bisschen Siena gebrannt ein wenig Weiß und rühren gut um. Hupps, Fleischfarbe ! Mit der gleichen Methode wie vorher werden die Highlights weiter aufgehellt. Eine andere Möglichkeit wäre, sofort mit Weiß weiter zu machen, das ist aber erheblich schwieriger. Wichtig ist auf jeden Fall, diese Aufhellung noch gezielter als vorher zu setzen. Jetzt sollte langsam die Struktur des Gesichts definiert sein. (Bild unten links)

Wer zufrieden ist, kann fast aufhören, aber richtig schön wird es erst, wenn man nach eigenem Gusto immer weiter mit reinem Weiß aufhellt. Fürchtet Euch nicht vor einem extremen Akzent. Mit dem Abtrocknen der Ölfarbe geht viel von einem im ersten Moment sehr weißen Akzent verloren. Wichtig ist nur, dass die Highlights eingearbeitet werden. Die Unterlippe wird mit Kadmiumrot nachgezogen, das sofort eine ocker- und weißfarbene Aufhellung mitbekommt. Ansonsten trägt Herr Oberleutnant heute Lippenstift ...

So weit, so gut. Für die Augen brauchen wir ein bisschen Weiß, das leicht abgetönt wurde. Damit malen wir die Augäpfel aus. In dieses Weiß kommt ein schwarzer oder dunkelblauer Punkt. Achtung: Guckt mal in den Spiegel. Die Iris macht gut die Hälfte des Auges aus. Ein Stecknadelpunkt in einem großen weißen Auge sieht eher nach einem Crack- Süchtigen auf Entzug aus.

Jo, das war's eigentlich. Haare behandelt man wie alles andere. Auf eine dunklere Grundfarbe kommen Aufhellungen. Betrachtet die Frisur als Masse, nicht als einzelne Haare. Die kann man sowieso nicht einzeln malen. Also definiert nur die Form, das reicht.

Unten seht Ihr das fertige Gesicht. Der Helm hat seine Grundierung, die auf dem Foto noch feucht ist. Da man unter dem Helm nicht alles erkennen kann, habe ich einen anderen Kopf mit gleichem Gesichtsausdruck fotografiert. Hier kann man das Endergebnis ganz gut sehen.

Soweit zum Gesicht. Ich kann jetzt nur raten, üben, üben, üben! Wenn Ihr einmal ein Gefühl für die richtige Farbmenge und Pinselarbeit habt, werden die Ergebnisse zunehmend besser.

Und jetzt kommt das Beste: Habt Ihr den Kopf total versaut, gebt Zippo-Benzin in eine leere Filmdose oder ähnliches, den nicht getrockneten Kopf dazu und schüttelt mal kräftig. Danach kann man die Ölfarbe problemlos abwischen und von vorn anfangen. Das klappt aber nur bei einer Acrylgrundierung. Enamelfarben würden gleich mit flöten gehen ... ;)

So, jetzt ran an die Pinsel und ausprobiert.