Dioramenbau

Wir möchten euch hier demonstrieren, wie wir ein Diorama geplant und ausgeführt haben.Auf das Bemalen der Figuren und der Fahrzeuge werden wir hier nicht eingehen. Das holen wir irgendwann nach. Außerdem denken wir, dass die meisten von euch sowieso ein brauchbares eigenes Niveau haben und selbst in der Lage sind, schöne Modelle zu zaubern.

Deswegen beschränken wir uns auf die Schritte, die wir für das Diorama "Kehraus" im Militärteil ausgeführt haben. Viel Spaß beim Lesen. Vielleicht können wir euch ja ein bißchen helfen ...

 

Stufe 1 - Idee und Planung

Benötigte Materialien: geduldige Ehefrauen, einen Bastelraum, Kaffee mit nicht enden wollendem Nachschub (siehe Ehefrauen), zuviel Zeit, Liga live im Radio, Frischeiwaffeln, einen Bleistift und eine leere Modellbauschachtel- hier ist auch ein Blatt Papier ok... Ach ja, und ein bisschen Blödklaaf schadet auch nicht...

Wir bevorzugen die Methode, uns einige Zeit mit unseren letzten Arbeiten selbst zu beweihräuchern. Dann stellen wir uns vor Ronnys Regal, in dem mehr Modelle schlummern, als mancher Fachhändler auf Lager hat. Und dann geht's los. Zitat: Ronny (R) : "Und jetzt..?" Uli(U): "Böh?! - Ist ja nicht so, als hätten wir nichts zu basteln..." R:"Panther hatte ich gerade, da hab ich jetzt keinen Bock drauf... und mit dem Königstiger mach ich mal irgendwas Normandie-technisches..." U: "Au ja, man könnte ja mal.. blablabla" ... und dann ist es passiert. Wir haben ein paar Minuten lang die dümmsten (und größtenteils undurchführbaren) Pläne und lamentieren lauthals über Dinge, die wir noch nicht können, aber andere Leute wie Calvin Tan oder Marijn van Gils aus dem Ärmel schütteln.

Ok, Spaß beiseite. Brainstorming ist wichtig, um eine Grundidee zu finden. Der ursprüngliche Plan sieht hinterher sowieso ganz anders aus, weil ihr mit Sicherheit noch drei- bis viermal umdisponiert. Die Grundidee war, dass ein Bulldozer-Sherman die Straße freiräumt. Warum Bulldozer? WEIL ER DA WAR !!! :)

Stufe 2 - Hausbau

Der Sherman ohne Verwitterung...

Die Idee war, dass sich das Ganze nicht auf einer Landstraße, sondern an einem Ortsausgang abspielt. Dazu braucht man ein Gebäude... (nee, tatsächlich?)

Eine Ruine wollten wir nicht, da Dörfer zum Kriegsende in Deutschland größtenteils intakt blieben. Eine Inspiration war ein Foto in "Sherman in action", in dem ein M4A3E8 eine deutsche Ortschaft passiert. Die Häuser, die man sehen kann, sind völlig intakt. Da es an deutschen Fassaden nur zusammengeschossene Ruinen als Bausätze gibt, blieb nur der Eigenbau.

Die Grundform haben wir aus Schaumpappe geschnitten. Die bekommt man im gut sortierten Bastelbedarf oder im Architekturbedarf. Auf dieser wurden die Positionen der Türen und der Fenster markiert und ausgeschnitten.

Diese Grundfassade erlaubte dann eine Probeaufstellung (rechts), die ein Ausmessen der Grundfläche erlaubte. Wichtig ist bei einer Aufstellung, dass nichts, absolut gar nichts, parallel zu den Kanten des Dioramas stehen darf. Ansonsten wirkt es zu statisch. Ein paar Grad Abweichung reichen schon !

Die erste Probeaufstellung

Das Haus nächste Stufe

Die Pappfassade wurde dann mit dünnem Styrodur überklebt und die Öffnungen sauber wieder ausgeschnitten. Das Styrodur hat eine rauhe Oberfläche, die nach Lackierung sehr gut eine putz- oder steinähnliche Struktur nachahmt. Ein weiterer Vorteil ist es, dass man es prima gravieren kann. Mauerstrukturen sind so ziemlich einfach mit einem Lineal und einem weichen Bleistift aufzuzeichnen. Dann nimmt man einen Kugelschreiber und vertieft die Gravur. Eigentlich sehr einfach.

Die Verzierungen und Fenstereinfassungen entstanden aus Holz- und Plastikprofilen. Die Stuckelemente über der Tür sind aus Green Stuff (GW) selbst modelliert, wobei ein Frauenkopf von Hornet dran glauben musste...

Die Fensterläden und das Balkongitter stammen von Miniart und sind aus Plastik.

Die beiden Fassadenteile wurden aneinander geklebt und die Nahtstelle mit Fertigspachtel verspachtelt und verschliffen. Das Nachgravieren der Fugen nicht vergessen!

Die Fassade ohne Lackierung. Wir haben beinahe alle Elemente nochmals zur Probe aufgestellt.

Stufe 3 - Endmontage des Hauses und Lackierung

Nachdem alles verspachtelt ist, und das Dach eine Bedeckung aus zurechtgeschnittener Wellpappe erhalten hat, wird das ganze Teil per Airbrush in Multilayertechnik lackiert. Verwitterungen werden mit Ölfarbe und Pigmenten aufgetragen. Alle Verzierungen und Details werden per Pinsel bemalt. Die Dachschräge passt hinterher genau an die Hinterkante des Dioramas.

Stufe 4 - Anpassen der anderen Elemente

Ausgehend von dem fertigen Haus wurden alle anderen Elemente, Panzer, Halbkette, Figuren und Details ausgerichtet. Denkt dabei an die Nicht-Parallel-Stellen-Regel. Versucht außerdem, das Auge des Betrachters von links nach rechts zu lenken. Wir lesen in dieser Richtung, deshalb folgt das Auge automatisch dieser Bewegung. Wir sind alle konditioniert .... (*jameister*) Bei einem Araber ginge das anders rum.

Um die Story rüber zu bringen, war es erforderlich, einen der GI's von Dragon umzubauen. Der MP erhielt einen selbstmodellierten rechten Arm mit neuer Hand, um das Einweisen des Sherman darzustellen. Der Sanitäter und der MP sind im Grunde die gleiche Figur, wirken aber völlig anders.

Die Straße wurde aus Pflastersteinen der Marke Plus-Models tatsächlich Stein für Stein gepflastert und dann abgegossen. Das wirkt realistischer als Faller- Pappe o.ä. Beim Aufstellen der Elemente versuchten wir außerdem, die Blickrichtung der Figuren (mit Ausnahme des Panzerfahrers, der logischerweise auf den Einweiser schaut) auf den zentralen Punkt zu lenken, nämlich die Stelle, an der die Räumschaufel die Halbkette berühren wird. So wird der Blick des Betrachters ebenfalls auf diese Stelle und damit den Kern des Dioramas gelenkt.

Das fertige Teil könnt ihr euch unter Militärmodellbau ansehen. Ob unsere Grundidee funktioniert hat? Urteilt selbst... :)

Wir hoffen, diese kurze Einführung war hilfreich für euch. Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Happy modelling